Gehalt

Gehaltsverhandlung im Notariat 2026: von 3.000 auf 3.400 Euro.

NNNora Niemüller·28. Mai 2026·6 Min
Gehalt

Gehaltsverhandlung im Notariat 2026: von 3.000 auf 3.400 Euro.

Nora Niemüller·28. Mai 2026·6 Min

Die stärkste Grundlage für eine Gehaltsverhandlung im Notariat sind Marktdaten: Der Median liegt beim Einstieg bei 2.620 Euro, nach 5 Jahren bei 3.000 Euro und mit 10 bis 15 Jahren Erfahrung bei 3.400 Euro Grundgehalt. Gehälter im Notariat sind frei verhandelbar, einen Tarifvertrag gibt es nicht. Umso mehr entscheidet, wie gut Sie Zeitpunkt, Argumente und Ton wählen, ohne das Vertrauensverhältnis im kleinen Team zu belasten.

Vor der Verhandlung

Gehälter im Notariat sind frei verhandelbar, einen Tarifvertrag gibt es nicht; ein Sprung von 3.000 auf 3.400 Euro ist bei gewachsener Verantwortung realistisch.

01
Bezugsgröße klären
Grundgehalt im Monat als Basis; Jahreswerte enthalten Sonderzahlungen.
02
Marktwert kennen
Median: 2.620 Euro Einstieg, 3.000 nach 5 Jahren, 3.400 mit 10 bis 15 Jahren.
03
Gesamtpaket denken
Nach einem Nein: Stufenplan, Fortbildungszusage und fester Wiedervorlage-Termin.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung?

Die besten Anlässe sind planbar: das Jahresgespräch, eine bestandene Fortbildung oder der Moment, in dem Sie dauerhaft neue Aufgaben übernommen haben. Denkbar ungeeignet ist das Gespräch zwischen Tür und Beurkundungstermin, wenn die Notarin oder der Notar unter Zeitdruck steht. Bitten Sie stattdessen um einen eigenen Termin mit angekündigtem Thema. So geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance, sich ebenso vorzubereiten wie Sie.

Argumente, die im Notariat zählen

Fleiß und Anwesenheit werden im Notariat vorausgesetzt, sie tragen keine Gehaltserhöhung. Überzeugend ist Verantwortung: alles, was den Amtsbetrieb spürbar entlastet und zuverlässig läuft, weil Sie es betreuen.

  • Eigenständige Aktenbetreuung: Vorgänge von der Anlage bis zum Vollzug ohne Rückfragen führen
  • Beurkundungsvorbereitung: Entwürfe, Vollmachten und Anlagen so vorbereiten, dass der Termin reibungslos läuft
  • Kostenrecht: Kostenrechnungen nach GNotKG sicher erstellen und Einwände souverän beantworten
  • Registervollzug: Vollzug in Grundbuch- und Registersachen selbstständig überwachen und Fristen halten
  • Vertretung der Büroleitung: in Abwesenheit den Bürobetrieb koordinieren und Ansprechpartnerin für das Team sein

Mit Marktdaten argumentieren statt mit Kollegen-Gehältern

Der Satz „Die Kollegin verdient aber mehr“ erzeugt Rechtfertigungsdruck und belastet das Verhältnis im Team. Dabei dürfen Sie über Ihr eigenes Gehalt durchaus sprechen: Pauschale Verschwiegenheitsklauseln dazu sind regelmäßig unwirksam, Details in unserem Beitrag zur Verschwiegenheitspflicht beim Gehalt. Stärker wirkt trotzdem der sachliche Blick von außen: Marktdaten machen aus einer Bitte eine begründete Einordnung.

Zur Orientierung die bundesweite Erfahrungsstaffel der Monatsgrundgehälter: 2.620 Euro zum Einstieg nach der Ausbildung, 3.000 Euro nach 5 Jahren, 3.400 Euro mit 10 bis 15 Jahren, jeweils Median. Daneben geben die unverbindlichen Vergütungsempfehlungen der Notarkammern Halt, einen Tarifvertrag gibt es nicht. Und der Standort zählt, die Jahresmediane inklusive Sonderzahlungen zeigen ein Gefälle von gut 20 Prozent:

Bayern
44.500 €
Baden-Württemberg
44.200 €
Sachsen-Anhalt
37.200 €
Thüringen
37.000 €
Balkenlänge im Bereich 36.500 bis 45.000 Euro, geschnittene Achse · Jahreswerte inklusive Sonderzahlungen, gerundet

Das Gespräch führen: ein Leitfaden

  1. Vorbereiten: Notieren Sie drei Verantwortungsbereiche, die Sie übernommen haben, Ihre Zielzahl und Ihre Untergrenze.
  2. Termin ankündigen: „Ich würde gern in Ruhe über meine Aufgaben und meine Vergütung sprechen. Wann passt es Ihnen in den nächsten zwei Wochen?“
  3. Mit Wertschätzung beginnen: „Ich arbeite sehr gern hier und möchte, dass meine Aufgaben und meine Vergütung zusammenpassen.“
  4. Leistung benennen: „Seit Januar führe ich die Grundstücksakten eigenständig und bereite die Beurkundungstermine vor.“ Bleiben Sie konkret und überprüfbar.
  5. Eine Zahl nennen: „Der Median für meine Erfahrungsstufe liegt bei 3.400 Euro. Ich schlage vor, mein Gehalt darauf anzupassen.“ Eine Zahl wirkt klarer als eine Spanne.
  6. Verbindlich abschließen: Fassen Sie das Ergebnis zusammen, bitten Sie um eine kurze schriftliche Bestätigung und vereinbaren Sie bei offenen Punkten einen festen Folgetermin.

Wer mit Marktdaten argumentiert, verhandelt nicht gegen die Notarin oder den Notar, sondern für eine faire Einordnung der eigenen Arbeit.

Wie viel ist realistisch?

Ein Sprung zwischen zwei Staffelstufen, etwa von 3.000 auf 3.400 Euro, ist bei nachweislich gewachsener Verantwortung eine realistische Größenordnung. Netto ist der Unterschied spürbar: Von 3.400 Euro brutto bleiben in Steuerklasse I ca. 2.230 Euro. Der größere Hebel bleibt die Weiterbildung: Wer den Weg zum Notarfachwirt geht, verdient rund 24 Prozent mehr und verhandelt künftig über Entwicklung statt nur über Beträge.

Wenn das Nein kommt

Ein Nein ist selten endgültig, oft bedeutet es „nicht jetzt“. Fragen Sie nach den Bedingungen: „Was müsste sich ändern, damit wir in sechs Monaten zu einem anderen Ergebnis kommen?“ Verweist Ihr Gegenüber auf die wirtschaftliche Lage, bleiben Sie konstruktiv: „Das verstehe ich. Lassen Sie uns trotzdem einen festen Folgetermin vereinbaren; bis dahin halte ich fest, welche Aufgaben zusätzlich bei mir liegen.“ Vereinbaren Sie einen Stufenplan mit festem Wiedervorlage-Termin, eine Fortbildungszusage oder eine Sonderzahlung als Zwischenschritt. Und bleiben Sie verbindlich im Ton: Das Vertrauensverhältnis im kleinen Team trägt weiter als jede einzelne Verhandlungsrunde.

Die sachliche Grundlage nehmen Sie am besten gleich mit: Ein anonymer Gehaltsvergleich erstellt Ihnen ohne Anmeldung in 60 Sekunden einen Marktvergleich für Ihr Bundesland und Ihre Erfahrungsstufe, zum Mitnehmen ins Gespräch.

Gehaltsverhandlungen im Notariat sind kein Kampf, sondern eine faire Chance. Wer vorbereitet sitzt, mit Marktdaten spricht und den Notar nicht überrascht, stärkt das Vertrauen statt es zu belasten, und geht stärker aus dem Gespräch heraus.

NN
Nora Niemüller
Redaktion Karriere

Quellen

  • BNotK
    Vergütungsempfehlungen der Notarkammern
    Bundesnotarkammer · Stand 2026
  • NFK
    Kuratierte Marktdaten je Bundesland und Rolle
    Notarfachkraft.de, mit anonymen Community-Angaben · Stand 2026
  • LAG
    Unwirksamkeit pauschaler Gehalts-Verschwiegenheitsklauseln
    Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern, Az. 2 Sa 237/09

Häufige Fragen

Realistisch ist der Schritt auf die nächste Erfahrungsstufe, zum Beispiel von 3.000 auf 3.400 Euro Grundgehalt, also ein Plus von 400 Euro im Monat. Voraussetzung ist nachweislich gewachsene Verantwortung; deutlich größere Sprünge sind meist an einen Rollenwechsel gebunden, etwa die Weiterbildung zum Notarfachwirt mit rund 24 Prozent Gehaltsplus.

Verantwortung statt Fleiß: eigenständige Aktenbetreuung, verlässliche Beurkundungsvorbereitung, sicheres Kostenrecht, Registervollzug und die Vertretung der Büroleitung. Je konkreter Sie zeigen, was ohne Rückfragen bei Ihnen läuft, desto stärker ist Ihre Position.

Zum Einstieg liegt der Median bei 2.620 Euro, die typische Spanne bei 2.400 bis 2.800 Euro Grundgehalt. Nutzen Sie das Übernahmegespräch, verweisen Sie respektvoll auf die Vergütungsempfehlungen der Notarkammern und auf das, was Sie im dritten Lehrjahr bereits eigenständig übernommen haben.

Mit 10 bis 15 Jahren Erfahrung liegt der Median bei 3.400 Euro Grundgehalt, die typische Spanne reicht von 3.000 bis 4.000 Euro. Wo Sie innerhalb der Spanne liegen, hängt von Verantwortung, Bundesland und Größe des Notariats ab.

Fragen Sie nach den Bedingungen für ein Ja und vereinbaren Sie einen festen Wiedervorlage-Termin, zum Beispiel in sechs Monaten. Zwischenschritte wie eine Fortbildungszusage oder eine Sonderzahlung halten die Entwicklung im Gang, ohne das Verhältnis zu belasten.

Redaktionelle Prüfung3. August 2026
Nora NiemüllerRedaktion Karriere

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