Notarfachwirt werden: Kosten, Dauer und Gehaltssprung 2026.
Notarfachwirt werden: Kosten, Dauer und Gehaltssprung 2026.
Zwei bis drei Jahre Aufwand, ein Abschluss, ein spürbarer Gehaltssprung. Die Weiterbildung zum Notarfachwirt gilt als der wichtigste Karriereschritt im Notariat. Aber lohnt sie sich wirklich? Wir haben Kosten, Dauer und den realen Verdienst gegenübergestellt.
Der Fachwirt ist der größte Gehaltshebel der Laufbahn: rund 24 Prozent mehr im Median.
Eine erfahrene Notarfachangestellte verdient im Median 3.400 Euro, mit Fachwirt-Abschluss steigt das Gehalt in derselben Position auf 3.800 bis 4.900 Euro. Dazu kommt die Rolle: Der Abschluss führt zu Personalverantwortung bis zum Bürovorstand.
Der Lehrgang läuft berufsbegleitend über zwei bis drei Jahre und kostet 2.500 bis 5.000 Euro; viele Notariate beteiligen sich an den Gebühren. Seit April 2026 tritt der Bachelor Professional im Notariat an die Stelle des Fachwirts.
Was macht ein Notarfachwirt eigentlich?
Der Notarfachwirt ist die anerkannte Aufstiegsfortbildung für Notarfachangestellte; die Ausgangsbasis zeigt unsere Übersicht zum Gehalt für Notarfachangestellte. Während die Ausbildung das Handwerk vermittelt, vertieft die Fortbildung das juristische und betriebswirtschaftliche Verständnis: komplexe Beurkundungsverfahren, Kostenrecht, Personalführung und die selbstständige Betreuung anspruchsvoller Mandate.
Seit dem 1. April 2026 gilt eine zweistufige bundeseinheitliche Fortbildung: Stufe I Geprüfter Berufsspezialist für das Notariat, Stufe II Bachelor Professional im Notariat. Sie ersetzt den bisherigen Notarfachwirt. Die alte Prüfung wird noch bis zum 1. November 2028 abgenommen; die Anmeldung dazu ist auf Antrag bis zum 31. März 2028 möglich.
Was die neuen Abschlüsse verlangen, wer zugelassen wird und wie die Übergangsfristen im Detail laufen, lesen Sie im Beitrag Berufsspezialist und Bachelor Professional im Notariat; die Bundesnotarkammer stellt die neuen bundesweit einheitlichen Fortbildungsmöglichkeiten in ihrer Meldung vom 28. Juli 2026 vor.
In der Praxis übernehmen Notarfachwirte oft die Rolle des Bürovorstands. Sie koordinieren das Team, verantworten die Qualitätssicherung und sind die rechte Hand der Notarin oder des Notars, auch in wirtschaftlichen Fragen.
Voraussetzungen und Ablauf
Für die Zulassung zur Fortbildung brauchen Sie in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung zur Notarfachangestellten und mehrere Jahre Berufspraxis im Notariat. Die genauen Anforderungen legt die jeweilige Notarkammer fest, sie unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.
Der Lehrgang findet meist berufsbegleitend an Abenden und Wochenenden statt. So bleiben Sie im Notariat als Arbeitgeber aktiv und wenden das Gelernte direkt an.
Zulassung
Abgeschlossene Ausbildung zur Notarfachangestellten plus mehrere Jahre Berufspraxis; die genauen Anforderungen legt die jeweilige Notarkammer fest.
Lehrgang
Meist zwei bis drei Jahre berufsbegleitend an Abenden und Wochenenden; Gebühren 2.500 bis 5.000 €, oft vom Notariat getragen.
Prüfung vor der Kammer
Prüfungsgebühr 300 bis 600 €; danach der anerkannte Abschluss Notarfachwirt.
Neue Rolle
Positionen mit Personalverantwortung bis zur Büroleitung, im Median rund 24 Prozent mehr Gehalt.
Notarfachwirt ohne Notarfachangestellten-Ausbildung: geht das?
Ja, dieser Weg ist möglich, er ist nur der anspruchsvollere. Bisher konnten die Kammern Bewerber ohne einschlägige Ausbildung zulassen, in der Regel über eine mehrjährige, nachgewiesene Praxis im Notariat. Das neue bundeseinheitliche System sieht das ausdrücklich vor: Zur Stufe I, dem Geprüften Berufsspezialisten für das Notariat, lässt die Verordnung zu, wer eine Ausbildung als Notarfachangestellte oder ReNo-Fachangestellte abgeschlossen hat oder ohne einschlägige Ausbildung fünf Jahre Berufspraxis nachweist; die Kammern empfehlen für ihre Lehrgänge meist ein Jahr Praxis nach der Ausbildung beziehungsweise drei Jahre für Quereinsteigerinnen. Ehrlich gesagt werden muss auch: Der Lehrgang setzt das Handwerk des Notariatsalltags voraus. Wer ohne Ausbildung startet, sollte Grundlagen wie Kostenrecht und Grundbuchverfahren vorab besonders gründlich aufarbeiten.
Was kostet die Weiterbildung?
Für die auslaufenden Fachwirt-Lehrgänge liegen die Gebühren je nach Anbieter und Region zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Hinzu kommen Prüfungsgebühren und Lernmaterial. Die gute Nachricht: Viele Notariate beteiligen sich an den Kosten oder übernehmen sie vollständig, weil qualifizierte Fachwirte schwer zu finden sind.
Der Gehaltssprung, ehrlich vorgerechnet
Hier wird es konkret. Eine Notarfachangestellte mit zehn Jahren Erfahrung verdient im Median rund 3.400 Euro brutto. Mit dem Fachwirt-Abschluss steigt das Gehalt in derselben Position typischerweise auf 3.800 bis 4.900 Euro, ein Plus von rund 24 Prozent. Wer als Bürovorstand Personalverantwortung in einer großen Sozietät übernimmt, liegt auch darüber.
Den vollständigen Vergleich nach Berufsjahren und Bundesland finden Sie in unserem Ratgeber zum Notarfachwirt-Gehalt. Wer den nächsten Schritt sucht, wird in den aktuellen Stellenangeboten fündig, gefiltert nach Beruf und Region.
Lohnt sich der Schritt?
Rein finanziell amortisieren sich die Kosten oft schon im ersten Jahr nach dem Abschluss, vor allem wenn das Notariat die Gebühren mitträgt. Wichtiger ist der langfristige Effekt: mehr Verantwortung, sicherere Arbeitsmarktposition und der Zugang zu Leitungsfunktionen, die Notarfachangestellten ohne Fortbildung verschlossen bleiben.
Wo Sie heute stehen, zeigt Ihnen unser anonymer Gehaltsvergleich: in 60 Sekunden, ohne Anmeldung, mit Ihrem persönlichen Marktvergleich als Grundlage für die Entscheidung.
Quellen
- BNotKVergütungsempfehlungen der NotarkammernBundesnotarkammer · Stand 2026
- NFKKuratierte Marktdaten je Bundesland und RolleNotarfachkraft.de, mit anonymen Community-Angaben · Stand 2026
- BIBBAusbildungs- und FortbildungsdatenBundesinstitut für Berufsbildung · Stand 2026
Häufige Fragen
Berufsbegleitend dauert die Weiterbildung in der Regel zwei bis drei Jahre. Vollzeit-Lehrgänge sind kürzer, in der Praxis aber selten, weil die meisten Teilnehmenden weiter im Notariat arbeiten.
Die Lehrgangsgebühren liegen je nach Anbieter und Bundesland typischerweise zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Viele Notariate übernehmen die Kosten ganz oder teilweise und rechnen Lehrgangszeiten als Arbeitszeit an.
Ein Notarfachwirt verdient mit Berufserfahrung im Schnitt rund 24 Prozent mehr als eine Notarfachangestellte mit gleicher Erfahrung. Die Gehälter liegen typischerweise zwischen 3.600 und 4.900 Euro brutto im Monat. Details im Ratgeber zum Notarfachwirt-Gehalt.
Nein. Der Notarfachwirt ist eine Aufstiegsfortbildung mit Kammerprüfung, kein Studium. Das gilt auch für den Nachfolge-Abschluss: Der Bachelor Professional im Notariat ist trotz des Namens ein Fortbildungsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz, kein akademischer Grad. Ein echtes Studium ist dagegen der berufsbegleitende LL.B. Recht im Notariat.
Die alte Notarfachwirt-Prüfung wird noch bis zum 1. November 2028 abgenommen, Wiederholungsprüfungen bis zum 1. November 2030; die Anmeldung dazu ist auf Antrag sogar noch bis zum 31. März 2028 möglich. Bereits erworbene Titel dürfen weitergeführt werden.
Seit dem 1. April 2026 ist die Fortbildung bundeseinheitlich und zweistufig geregelt: Stufe I heißt Geprüfter Berufsspezialist für das Notariat, Stufe II Bachelor Professional im Notariat. Der Bachelor Professional tritt an die Stelle des Notarfachwirts; alle Details im Beitrag Berufsspezialist und Bachelor Professional im Notariat.
Ja. Aufstiegsfortbildungen wie der Notarfachwirt und die neuen bundeseinheitlichen Abschlüsse fallen unter den Förderrahmen des Aufstiegs-BAföG: Bis 15.000 Euro Maßnahmekosten sind förderfähig, davon 50 Prozent als Zuschuss; wer die Prüfung besteht, erhält auf das restliche Darlehen noch einmal 50 Prozent Erlass. Viele Notariate beteiligen sich zusätzlich an den Kosten.