Bewerbung als Notarfachangestellte: Anschreiben mit Muster und Vorstellungsgespräch.
Bewerbung als Notarfachangestellte: Anschreiben mit Muster und Vorstellungsgespräch.
Die Bewerbung als Notarfachangestellte entscheidet sich am Anschreiben: Notariate lesen es als erste Arbeitsprobe für genau die Eigenschaften, die der Beruf verlangt, Fehlerfreiheit, Präzision und Sorgfalt. Wer dazu Verschwiegenheit und Zuverlässigkeit glaubhaft zeigt statt nur behauptet, liegt vor den meisten anderen Bewerbungen. In diesem Leitfaden finden Sie den Aufbau des Anschreibens Schritt für Schritt, ein vollständiges Muster für Berufserfahrene, die Unterschiede bei der Ausbildungs-Bewerbung und die Fragen, die im Vorstellungsgespräch fast immer kommen.
Notariate lesen das Anschreiben als erste Arbeitsprobe für genau die Eigenschaften, die der Beruf verlangt. Drei Dinge entscheiden, ob eine Bewerbung überzeugt.
Was Notariate in einer Bewerbung wirklich lesen
Im Notariat ist das Anschreiben keine Formalie, sondern die erste Arbeitsprobe. Wer später Urkunden vorbereitet, Fristen überwacht und Schreiben an Grundbuchamt und Registergericht fertigt, wird an genau den Eigenschaften gemessen, die ein Anschreiben sichtbar macht: Fehlerfreiheit, Präzision, Sorgfalt. Ein Tippfehler, der in anderen Branchen durchgeht, wirft im Notariat die Frage auf, wie genau Sie mit einem Kaufvertragsentwurf umgehen würden. Lesen Sie Ihr Anschreiben deshalb laut, lassen Sie eine zweite Person gegenlesen und prüfen Sie Namen und Amtsbezeichnung der Adressatin dreifach.
Inhaltlich zählt der Insider-Winkel. Floskeln wie „Ich bin teamfähig und belastbar“ liest die Notarin in jeder zweiten Bewerbung. Wer stattdessen die Aufgaben einer Notarfachangestellten konkret benennt, also Beurkundungsvorbereitung, Fristenkontrolle, Kostenrechnungen nach dem GNotKG oder den Vollzug in Grundbuch- und Registersachen, zeigt in zwei Zeilen mehr Eignung als eine Seite Selbstbeschreibung. Zwei Signale wiegen dabei schwerer als alle anderen: Verschwiegenheit und Zuverlässigkeit. Beide gehören ins Anschreiben, und beide lassen sich zeigen statt behaupten.
Verschwiegenheit beweist man nicht durch Beteuerung, sondern durch Verhalten: keine Mandantennamen, keine Details aus Vorgängen Ihres bisherigen Notariats, auch nicht als Beispiel Ihrer Erfahrung. Wer im Anschreiben und im Gespräch diskret bleibt, führt den wichtigsten Beweis ganz nebenbei.
Der Aufbau des Anschreibens: sechs Schritte
Eine Seite genügt, mehr liest niemand. Der Aufbau folgt einer einfachen Logik: erst der Bezug zur Stelle, dann die fachliche Substanz, dann die Rahmendaten.
Betreff
Konkret statt formelhaft: „Bewerbung als Notarfachangestellte zum 1. Oktober“ nennt Stelle und Termin in einer Zeile.
Einstieg
Der erste Satz trägt: kein „hiermit bewerbe ich mich“, sondern Ihr stärkster Bezug zur Stelle, etwa Ihre Erfahrung im Grundbuchvollzug.
Praxisteil
Zwei bis drei konkrete Aufgabenfelder mit Substanz: Beurkundungsvorbereitung, Fristenkontrolle, Kostenrecht, Registervollzug. Keine Adjektiv-Ketten.
Arbeitsweise
Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit gehören ins Anschreiben, am besten mit einem Beleg statt einer Behauptung.
Rahmendaten
Eintrittstermin, gewünschter Stundenumfang, gegebenenfalls der Hinweis auf ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis.
Schluss
Ein Satz genügt: Sie freuen sich über die Einladung zum Gespräch. Ohne Konjunktiv-Girlanden wie „würde mich freuen, wenn“.
Muster: Anschreiben Notarfachangestellte
Das folgende Muster richtet sich an eine Notarfachangestellte mit Berufserfahrung. Ersetzen Sie die Platzhalter in eckigen Klammern, passen Sie Anrede und Aufgaben an Ihren tatsächlichen Alltag an und streichen Sie, was auf Sie nicht zutrifft: Ein übernommenes Muster ohne eigene Substanz fällt im Notariat sofort auf.
Betreff: Bewerbung als Notarfachangestellte zum [Eintrittstermin]
Sehr geehrte Frau Notarin [Name],
Sie suchen eine Notarfachangestellte, die Vorgänge eigenständig führt. Genau so arbeite ich heute: Seit [Zahl] Jahren betreue ich im Notariat [Name des Notariats] in [Ort] Grundstücks- und Registersachen von der Entwurfsvorbereitung bis zum Vollzug.
Zu meinen Aufgaben gehören die Vorbereitung von Beurkundungen, die Fristen- und Wiedervorlagenkontrolle, der Schriftverkehr mit Grundbuchamt, Registergericht und Banken sowie Kostenrechnungen nach dem GNotKG. Den elektronischen Rechtsverkehr wickle ich selbstständig ab; mit [Notariatssoftware] arbeite ich täglich.
Diskretion ist für mich selbstverständlich: Über Vorgänge aus dem Notariat spreche ich nicht, auch nicht im privaten Umfeld. Auf meine Fristenkontrolle konnten sich meine Vorgesetzten bislang verlassen; bei Unklarheiten frage ich lieber einmal mehr nach, als eine Akte auf Verdacht weiterzuführen.
Ihr Notariat interessiert mich wegen [Grund, zum Beispiel des Schwerpunkts im Immobilienrecht oder der Größe des Teams]. Ich suche eine Stelle, in der ich Verantwortung für eigene Referate übernehme und mich fachlich weiterentwickeln kann.
Ich befinde mich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis und stehe Ihnen zum [Eintrittstermin] mit [Stundenzahl] Stunden pro Woche zur Verfügung. Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.
Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname]
Anschreiben für die Ausbildung: Motivation statt Erfahrung
Für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz gilt derselbe Maßstab, fehlerfrei und konkret, aber ein anderer Inhalt: Motivation ersetzt Erfahrung. Ein eigenes Muster brauchen Sie nicht; übernehmen Sie den Aufbau von oben und ersetzen Sie den Praxisteil durch Ihre Berührungspunkte mit dem Beruf: ein Schulpraktikum im Notariat oder in einer Kanzlei, passende Schulfächer wie Deutsch oder Wirtschaft und Recht, und der Grund, warum es das Notariat sein soll und nicht irgendein Büro. Wer schreibt, dass ihn die Mischung aus Rechtsfragen, Genauigkeit und Kontakt mit Menschen reizt, liegt näher am Berufsalltag als die meisten. Was in der Ausbildung zur Notarfachangestellten tatsächlich auf Sie zukommt, lesen Sie im verlinkten Beitrag.
Der Lebenslauf: kurz und lückenlos
Der Lebenslauf wird im Notariat auf Verlässlichkeit gelesen: Stimmen die Daten, ist der Werdegang lückenlos, passen die Stationen zusammen? Halten Sie ihn auf ein bis zwei Seiten und achten Sie auf:
- Lückenlose Zeitachse: Monat und Jahr angeben; Elternzeit oder Umschulung offen benennen statt kaschieren
- Kenntnisse konkret: Notariatssoftware beim Namen nennen, dazu Fortbildungen und Lehrgänge mit Jahresangabe
- Vollständige Anlagen: Abschlusszeugnis, Arbeitszeugnisse und Fortbildungsnachweise als ein PDF in sinnvoller Reihenfolge
- Foto optional: wenn, dann aktuell und professionell; verpflichtend ist es nicht
Vorstellungsgespräch als Notarfachangestellte: diese Fragen kommen
Das Bewerbungsgespräch führt im Notariat meist die Notarin oder der Notar selbst, oft gemeinsam mit der Büroleitung. Es geht selten um Fangfragen und fast immer um drei Dinge: Passt die Arbeitsweise, hält die Person Druckphasen stand, fügt sie sich in ein kleines Team? Antworten Sie konkret und ehrlich, mit Beispielen statt Eigenschaftswörtern. Auf diese Fragen sollten Sie vorbereitet sein:
- Warum das Notariat? Nennen Sie, was den Arbeitsplatz auszeichnet: geregelte Verfahren, Rechtsnähe, Verantwortung für eigene Vorgänge. „Weil es ruhiger ist als die Kanzlei“ ist keine gute Antwort.
- Wie gehen Sie mit Fehlern und Fristen um? Erwartet wird ein System, kein Heldentum: Wiedervorlagen, Vier-Augen-Prinzip, und bei einem Fehler sofort Bescheid geben statt vertuschen.
- Wie halten Sie es mit der Diskretion? Die beste Antwort ist gelebte Praxis: Über Vorgänge wird außerhalb des Notariats nicht gesprochen, auch nicht anonymisiert im Freundeskreis.
- Welche Software kennen Sie? Bleiben Sie ehrlich. Wer eine Notariatssoftware beherrscht, lernt die nächste schnell; sagen Sie genau das, wenn im neuen Notariat ein anderes Programm läuft.
- Wie stellen Sie sich die Arbeitszeiten vor? Klare Angaben zu Stundenumfang und Teilzeitwunsch früh im Gespräch ersparen beiden Seiten Umwege; Verlässlichkeit zählt mehr als maximale Flexibilität.
Eigene Rückfragen zeigen, dass Sie den Alltag kennen. Gut kommen an: Wie ist die Einarbeitung organisiert? Wer betreut welche Referate, und wie eigenständig arbeiten die Fachkräfte? Unterstützt das Notariat Fortbildungen? Mit welcher Software arbeiten Sie? Solche Fragen signalisieren, dass Sie bleiben und sich entwickeln wollen, nicht nur unterkommen.
Bei der Gehaltsfrage gilt: eine Zahl nennen, wenn Sie gefragt werden, und sie begründen können. Zum Einstieg nach der Ausbildung liegt der Median bei 2.620 Euro; was mit Erfahrung realistisch ist, zeigt der Beitrag zum Gehalt nach der Ausbildung. Wie Sie Ihre Zahl herleiten und souverän vertreten, ohne das Gespräch zu belasten, lesen Sie im Leitfaden zur Gehaltsverhandlung im Notariat.
Initiativbewerbung: oft der kürzeste Weg
Viele Notariate suchen länger nach qualifizierten Fachkräften, und nicht jede offene Stelle wird ausgeschrieben. Eine Initiativbewerbung ist deshalb keine Verlegenheitslösung, sondern häufig der kürzeste Weg zur passenden Stelle. Richten Sie sie an ein konkretes Notariat, schreiben Sie in den Betreff „Initiativbewerbung als Notarfachangestellte“ und in den ersten Satz, warum genau dieses Notariat: Schwerpunkt, Standort, Größe. Auch wer aus der Anwaltskanzlei oder einem anderen Büroberuf wechseln möchte, hat gute Chancen; welche Wege in den Beruf führen, zeigt der Beitrag zum Quereinstieg ins Notariat.
Und dann: abschicken. Die perfekte Bewerbung, die wochenlang reift, verliert gegen die sehr gute, die heute im Postfach liegt. Notariate entscheiden häufig zügig, sobald eine passende Bewerbung vorliegt.
Quellen
- BNotKBerufsbild und Karrierewege im NotariatBundesnotarkammer, notar.de · Stand 2026
- BANotarfachangestellte/r im BERUFENETBundesagentur für Arbeit · Stand 2026
Häufige Fragen
Ein Anschreiben von einer Seite, ein lückenloser tabellarischer Lebenslauf und vollständige Anlagen: Abschlusszeugnis, Arbeitszeugnisse, Fortbildungsnachweise, am besten als ein PDF. Das Anschreiben wiegt am schwersten, weil es im Notariat als Arbeitsprobe gelesen wird: fehlerfrei, konkret, mit Bezug zu Aufgaben wie Beurkundungsvorbereitung, Fristenkontrolle und Kostenrecht.
Fast immer diese fünf: Warum das Notariat? Wie gehen Sie mit Fehlern und Fristen um? Wie halten Sie es mit der Verschwiegenheit? Welche Notariatssoftware kennen Sie? Und die Frage nach Arbeitszeiten oder Teilzeit. Bereiten Sie zu jeder Frage ein konkretes Beispiel aus Ihrer bisherigen Arbeit oder Ausbildung vor.
Gepflegt-konservativ: Bluse oder Hemd, dazu Blazer oder Sakko, gedeckte Farben. Ein kompletter Anzug ist nicht in jedem Notariat üblich, aber etwas zu förmlich schadet weniger als zu leger. Das Notariat ist eine Amtsstelle mit Publikumsverkehr; Ihr Auftritt sollte dazu passen.
Ja. Notariate suchen vielerorts länger nach qualifizierten Fachkräften, und nicht jede offene Stelle wird ausgeschrieben. Richten Sie die Initiativbewerbung an ein konkretes Notariat und begründen Sie im ersten Satz, warum genau dieses: Schwerpunkt, Standort oder Teamgröße.
Mit denselben Unterlagen wie Berufserfahrene, aber anderem Inhalt: Motivation ersetzt Erfahrung. Nennen Sie Berührungspunkte wie ein Schulpraktikum, passende Schulfächer und den Grund, warum es das Notariat sein soll. Die letzten beiden Schulzeugnisse gehören in die Anlage.
Erst, wenn Sie gefragt werden, dann aber mit einer begründeten Zahl statt einer vagen Spanne. Orientierung geben Marktdaten und die unverbindlichen Vergütungsempfehlungen der Notarkammern; wie Sie Ihre Zahl herleiten und souverän vertreten, zeigt unser Leitfaden zur Gehaltsverhandlung im Notariat.