Fachkräftemangel im Notariat: was Notariate 2026 konkret tun können.
Fachkräftemangel im Notariat: was Notariate 2026 konkret tun können.
Der Fachkräftemangel im Notariat ist real, aber kein Schicksal: Notariate, die ihre Vergütung transparent machen, selbst ausbilden, Fortbildung mitfinanzieren und Bewerbungen schnell beantworten, besetzen offene Stellen spürbar leichter. Der Nachwuchs ist über zwei Jahrzehnte deutlich knapper geworden, und Kanzleien, Justiz und Unternehmen werben um dieselben Profile. Dieser Leitfaden für Notarinnen, Notare und Büroleitungen zeigt acht Handlungsfelder mit konkreten Schritten, vom Gehaltsband bis zur Rückmeldefrist.
Der Nachwuchs ist auf ein Fünftel geschrumpft: Wer Fachkräfte will, muss sie selbst gewinnen.
Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, zugleich beginnen deutlich weniger junge Menschen eine Ausbildung im Rechtsbereich. Um die verbleibenden Profile werben neben den Notariaten auch Kanzleien, Justiz und Unternehmen.
Wirksam sind die Hebel im eigenen Haus: Vergütung transparent machen, selbst ausbilden, Fortbildung mitfinanzieren, Teilzeit und Homeoffice anbieten und Bewerbungen binnen Tagen beantworten.
Wer heute eine Stelle im Notariat besetzen will, spürt es sofort: Auf eine Anzeige, die vor zehn Jahren einen Stapel Bewerbungen brachte, melden sich heute wenige Kandidatinnen, manchmal niemand. Das liegt nicht an einzelnen Büros und auch nicht am Beruf, der zu den vielseitigsten im Rechtsbereich zählt. Es liegt an einem Markt, der sich grundlegend gedreht hat: Es scheiden mehr Fachkräfte aus, als nachwachsen. Die gute Nachricht: Kein Notariat ist dieser Entwicklung ausgeliefert. Es gibt acht Handlungsfelder, in denen sich mit überschaubarem Aufwand viel bewegen lässt, und die meisten kosten weniger als eine monatelang unbesetzte Stelle.
Fachkräftemangel im Notariat: die Lage ehrlich betrachtet
Der Kern des Problems ist demografisch. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, gleichzeitig entscheiden sich weniger Schulabgängerinnen für eine Ausbildung im Rechtsbereich. Wie stark der Nachwuchs zurückgegangen ist, zeigt eine Gegenüberstellung, über die die Legal Tribune Online (LTO) berichtet hat:
Hinzu kommt: Um die Fachkräfte, die es gibt, konkurrieren längst nicht mehr nur Notariate untereinander. Anwaltskanzleien suchen dieselben ReNo-Profile, die Justiz wirbt mit Planstellen und geregelten Arbeitszeiten, und Banken, Versicherungen und Rechtsabteilungen schätzen Bewerberinnen, die Grundbuch, Register und Fristen beherrschen. Wer eine Notarfachangestellte gewinnen will, tritt gegen diesen gesamten Markt an, nicht nur gegen das Nachbarnotariat. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Hebel, die jedes Büro selbst in der Hand hat.
Vergütung transparent machen: Orientierung schafft Vertrauen
Im Notariat gibt es keinen Tarifvertrag; Maßstab sind die unverbindlichen Vergütungsempfehlungen der Notarkammern. Das ist kein Nachteil, wenn man es aktiv nutzt: Prüfen Sie Ihre Gehälter regelmäßig gegen die Empfehlung Ihrer Kammer und gegen den Markt. Zur Einordnung: Nach der Ausbildung liegt der Median bundesweit bei 2.620 Euro brutto im Monat, Notarfachwirte verdienen rund 24 Prozent mehr. Aktuelle Zahlen nach Bundesland und Berufserfahrung liefert unsere Gehaltsübersicht für Notarfachangestellte, die Einordnung für alle Rollen im Büro der Ratgeber zum Gehalt der Mitarbeiter im Notariat. Und: Nennen Sie in der Stellenanzeige ein Gehaltsband. Bewerberinnen vergleichen ohnehin; wer transparent ist, wirkt souverän und erspart beiden Seiten Gespräche, die an falschen Erwartungen scheitern.
Ausbildung: der stärkste Kanal, den ein Notariat selbst steuert
Wer heute ausbildet, hat in drei Jahren eine Fachkraft im Büro, die der Arbeitsmarkt so nicht hergibt, eingearbeitet in die eigenen Abläufe. Kein anderer Weg ist so planbar. Der Einstieg gelingt niederschwelliger, als viele denken: Ein Schülerpraktikum kostet wenig und ist oft die Pforte, durch die der wenig bekannte Beruf überhaupt erst sichtbar wird; viele Ausbildungsverhältnisse beginnen genau dort. Was Bewerberinnen über die Ausbildung zur Notarfachangestellten wissen wollen, von den Voraussetzungen bis zur Vergütung, haben wir dort gebündelt; die Seite eignet sich auch als Link in Ihrer Azubi-Anzeige.
Weiterbildung finanzieren: Bindung, die doppelt wirkt
Seit dem 1. April 2026 gibt es die bundesweit einheitliche, zweistufige Fortbildung zum Geprüften Berufsspezialisten und zum Bachelor Professional im Notariat. Für Notariate ist das eine Gelegenheit: Wer die Fortbildung einer Mitarbeiterin mitfinanziert und Lernzeit einräumt, gewinnt zweimal, eine höher qualifizierte Fachkraft und einen handfesten Grund zu bleiben. Der Eigenanteil ist überschaubarer, als viele annehmen: Im Rahmen des Aufstiegs-BAföG sind Maßnahmekosten bis 15.000 Euro förderfähig, 50 Prozent gibt es als Zuschuss, bei bestandener Prüfung wird die Hälfte des restlichen Darlehens erlassen. Einen Überblick über alle Wege, vom Seminar bis zum Studium, gibt der Ratgeber zur Weiterbildung als Notarfachangestellte. Sprechen Sie das Thema aktiv an, bevor Ihre Mitarbeiterin es tut: Das Signal zählt.
Arbeitsmodelle: Teilzeit und Homeoffice geben oft den Ausschlag
Ein erheblicher Teil der qualifizierten Bewerberinnen sucht gezielt Teilzeit, etwa beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Wer nur Vollzeit ausschreibt, bekommt diese Bewerbungen nie zu sehen. Zwei Teilzeitkräfte, die sich eine Sachbearbeitung teilen, sind organisatorisch anspruchsvoller, aber verlässlicher als eine unbesetzte Stelle; wie solche Modelle funktionieren, zeigt unser Artikel zu Vollzeit und Teilzeit im Notariat. Beim Homeoffice gilt: nicht überall, aber öfter als gedacht. Wo Verschwiegenheit und Technik es erlauben, etwa beim Schreibwerk oder im Kostenrecht mit gesicherter Anbindung, sind einzelne Tage gut machbar. Was rechtlich und praktisch zu bedenken ist, bündelt der Ratgeber zum Homeoffice im Notariat.
Quereinstieg ermöglichen: der unterschätzte Bewerberpool
Nicht jede gute Mitarbeiterin bringt eine Notariatsausbildung mit. Rechtsanwaltsfachangestellte, Justizfachangestellte und kaufmännische Kräfte mit Rechtsbezug lassen sich einarbeiten, und die Branche unterstützt dabei: Kammern, Notarkassen und das Deutsche Anwaltsinstitut bieten kompakte Einsteiger-Seminare an, die die Grundlagen von Beurkundungsvorbereitung, Grundbuch und Kostenrecht vermitteln. Wer im Vorstellungsgespräch auf solche Formate verweisen kann, senkt die Einstiegshürde spürbar. Welche Wege offenstehen, beschreibt unser Ratgeber zum Quereinstieg ins Notariat; auch er eignet sich als Link in der Anzeige.
Bewerbungsprozess: Tempo schlägt Perfektion
Der häufigste vermeidbare Fehler liegt nicht in der Anzeige, sondern danach: zu späte Rückmeldungen. Gute Bewerberinnen führen parallel andere Gespräche; wer erst nach drei Wochen antwortet, antwortet oft ins Leere. Bewährt hat sich eine einfache Hausregel: Eingangsbestätigung am selben Tag, Entscheidung über eine Einladung binnen weniger Tage, Gesprächstermin in der laufenden oder folgenden Woche. Und ordnen Sie die Unterlagen realistisch ein: Notarfachangestellte sind Fachkräfte, keine Werbetexterinnen. Ein schlichtes Anschreiben sagt nichts über die Qualität im Grundbuchvollzug. Was Kandidatinnen vorbereiten und erwarten, zeigt unser Ratgeber zur Bewerbung im Notariat, mit dessen Kenntnisstand viele in Ihr Gespräch kommen.
Notarfachangestellte finden: sichtbar sein, wo gesucht wird
„Notarfachangestellte gesucht“ steht derzeit über sehr vielen Anzeigen; Ihre muss dort stehen, wo Ihre Zielgruppe tatsächlich liest. Die Stellenbörsen der Notarkammern sind zu Recht der erste Kanal: etabliert, seriös und von Fachkräften gezielt aufgesucht; eine Übersicht aller Kammer-Börsen finden Sie in unserem Beitrag zu den Stellenbörsen der Notarkammern. Ein Kanal allein reicht aber selten, denn wechselwillige Fachkräfte suchen auch überregional. Kombinieren Sie deshalb: Kammer-Börse, ein bis zwei überregionale Portale und die eigene Website mit aktueller Karriere-Seite. Wenn Sie zusätzlich dort sichtbar sein möchten, wo sich Notarfachangestellte über Gehalt und Perspektiven informieren, finden Sie die Möglichkeiten auf unserer Seite für Arbeitgeber.
In 30 Tagen startklar
Gehaltsband prüfen
Eigene Gehälter gegen die Kammer-Empfehlung und aktuelle Marktzahlen stellen; ein ehrliches Band für die Anzeige festlegen.
Anzeige schärfen
Aufgaben konkret benennen, Gehaltsband und Arbeitsmodell ausdrücklich nennen: Teilzeit möglich? Homeoffice-Anteil?
Kanäle streuen
Kammer-Börse plus mindestens ein überregionaler Kanal plus eigene Website; Ausbildungs- und Praktikumsplätze gleich mit ausschreiben.
Rückmeldefrist setzen
Interne Regel: Eingangsbestätigung am selben Tag, Entscheidung über die Einladung binnen weniger Tage, Termin kurzfristig anbieten.
Mitarbeiterführung im Notariat: wer bleibt, muss nicht ersetzt werden
Die günstigste Personalgewinnung ist die, die gar nicht nötig wird. Drei Dinge tragen im kleinen Team besonders weit. Erstens das regelmäßige Mitarbeitergespräch, mindestens einmal im Jahr und nicht erst, wenn etwas klemmt: über Aufgaben, Entwicklung und Gehalt, mit echtem Zuhören. Zweitens ein festes Fortbildungsbudget, das nicht jedes Jahr neu erkämpft werden muss; es signalisiert, dass Entwicklung zum Haus gehört. Drittens Wertschätzung im Alltag: Verantwortung übertragen, gelungene Arbeit auch gegenüber Beteiligten sichtbar machen, Vertretungen so regeln, dass Urlaub wirklich Urlaub ist. Nichts davon kostet viel, und alles davon spricht sich herum: unter Kolleginnen, in der Berufsschule und in genau den Kanälen, in denen Ihre nächste Bewerberin unterwegs ist.
Quellen
- LTOWas tun gegen den Fachkräftemangel im Notariat? (Rückgang der ReNo-Ausbildungszahlen)Legal Tribune Online
- BNotKAusbildungskampagne „safe“ · arbeiten-im-notariat.deBundesnotarkammer · Stand 2026
- BGBlFortbildungsprüfungsverordnungen BSNotFPrV und BAProNotFPrV, BGBl. 2025 I Nr. 205 und 206Bundesgesetzblatt · Stand 2025
Häufige Fragen
Weil deutlich weniger Fachkräfte nachwachsen, als ausscheiden: Die Zahl der neuen Auszubildenden im ReNo-Bereich ist seit Ende der 1990er Jahre auf einen Bruchteil gesunken, während die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Zugleich werben Anwaltskanzleien, Justiz und Unternehmen um dieselben Profile. Es handelt sich um einen strukturellen Engpass, nicht um ein Versäumnis einzelner Büros.
Die Stärken des kleinen Teams ausspielen: kurze Wege, echte Verantwortung, flexible Arbeitszeiten und persönliche Führung. Dazu die Vergütung an Kammer-Empfehlung und Markt ausrichten, ein Gehaltsband in die Anzeige schreiben, schnell auf Bewerbungen antworten und mit Praktikums- oder Ausbildungsplatz eigenen Nachwuchs aufbauen. Gerade kleine Büros können bieten, was große Arbeitgeber selten haben.
In den meisten Fällen ja. Die Ausbildung ist der einzige Kanal, den ein Notariat vollständig selbst steuert: Nach drei Jahren steht eine Fachkraft im Büro, die die eigenen Abläufe kennt. Der Aufwand ist real, verteilt sich aber über die Zeit; die Ausbildungskampagne „safe“ der Bundesnotarkammer erleichtert es zusätzlich, junge Menschen auf den Beruf aufmerksam zu machen. Ein Schülerpraktikum ist der einfachste Start in die eigene Nachwuchsarbeit.
Eine größere, als vielen lieb ist, aber selten die allein entscheidende. Ein Angebot deutlich unter Markt sortiert ein Notariat früh aus; ein transparentes, faires Band bringt es ins Gespräch. Den Ausschlag geben dann häufig Arbeitsmodell, Entwicklungsperspektive und der Umgang im Team. Prüfen Sie Ihre Zahlen deshalb regelmäßig gegen die Empfehlungen Ihrer Notarkammer und gegen aktuelle Marktdaten.
Über eine Kombination: die Stellenbörse Ihrer Notarkammer, ein bis zwei überregionale Jobportale und die Orte, an denen sich Fachkräfte ohnehin über Gehalt und Karriere informieren, dazu Empfehlungen aus dem eigenen Team. Wechselwillige suchen oft still: Sie lesen mit, vergleichen Gehälter und reagieren auf Anzeigen, die konkret werden. Sichtbarkeit auf mehreren Kanälen erhöht die Chance, im richtigen Moment gefunden zu werden.