Quereinsteiger im Notariat einstellen: Profile, Einarbeitung, Seminare 2026.
Quereinsteiger im Notariat einstellen: Profile, Einarbeitung, Seminare 2026.
Quereinsteiger können eine Stelle im Notariat gut ausfüllen, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein Profil mit Fristen-, Register- oder Grundstückserfahrung, eine Einarbeitung in klaren Phasen und eine früh vereinbarte Qualifizierung über die Seminare der Kammern, Notarkassen und des Deutschen Anwaltsinstituts. Die größten Schnittmengen bringen Rechtsanwalts- und Justizfachangestellte sowie Bank- und Immobilienkaufleute mit; Beurkundungs- und Kostenrecht muss jede und jeder neu lernen. Dieser Leitfaden für Notarinnen, Notare und Büroleitungen zeigt, wie Auswahl, Einarbeitung und Bindung gelingen, von der Verpflichtung nach § 26 BNotO bis zur quereinsteigertauglichen Stellenanzeige.
„Ohne ReNo-Ausbildung geht im Notariat nichts?“
Doch: Quereinsteiger sind neben der eigenen Ausbildung der zweite Personalweg, den ein Büro selbst steuern kann. Bewährt haben sich vier Herkunftsfelder: Rechtsanwalts- und Justizfachangestellte sowie Bank- und Immobilienkaufleute; Beurkundungs- und Kostenrecht lernt jede und jeder neu. Entscheidend sind eine Einarbeitung in klaren Phasen, je nach Vorerfahrung mehrere Monate bis über ein Jahr, und eine früh vereinbarte Qualifizierung über die Seminare der Kammern, Notarkassen und des DAI.
Auf klassische Stellenanzeigen für Notarfachangestellte melden sich vielerorts nur noch wenige Bewerberinnen, der Markt gibt ausgebildete Kräfte schlicht selten her. Quereinsteiger sind darauf die naheliegendste Antwort, aber keine, die nebenbei gelingt: Wer Profile aus Kanzlei, Justiz, Bank oder Immobilienwirtschaft einstellt, übernimmt die Verantwortung für eine Einarbeitung, die diesen Namen verdient. Dieser Leitfaden zeigt, welche Profile im Notariat funktionieren, wie ein realistischer Einarbeitungsplan aussieht, welche Seminare die Qualifizierung tragen und was rechtlich und finanziell zur Einstellung gehört.
Welche Profile im Notariat funktionieren
Die Kernfrage der Auswahl lautet nicht, ob jemand Notariatswissen mitbringt, sondern wie groß die Schnittmenge zur täglichen Arbeit ist: Fristen und Wiedervorlagen, der Umgang mit Registern und Grundbuch, Sorgfalt mit fremdem Geld und sensiblen Daten. Vier Herkunftsfelder haben sich in der Praxis bewährt:
- Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFa/ReNo): der kürzeste Weg. Fristenkontrolle, Aktenführung und Mandantenkommunikation sind vertraut; neu sind vor allem das Beurkundungsverfahren, der Vollzug und das Kostenrecht nach dem GNotKG.
- Justizfachangestellte: kennen Grundbuch- und Registerverfahren von der anderen Seite des Schalters und arbeiten in derselben Formstrenge; umzulernen ist vor allem die Gestaltungs- und Serviceperspektive des Notariats.
- Bank- und Versicherungskaufleute: bringen Routine im Umgang mit fremdem Geld, Sicherheiten und sensiblen Daten mit; Grundschulden und Finanzierungsabläufe sind ihnen der Sache nach vertraut.
- Immobilienkaufleute: kennen Kaufvertragsabläufe, Lastenfreistellung und die Begriffe des Grundstücksrechts aus der Praxis; ihnen fehlt vor allem die urkundliche Seite.
Ebenso ehrlich gehört dazu, was kein Profil mitbringt: Das Beurkundungsverfahren nach dem BeurkG, der Vollzug von der Fälligkeitsmitteilung bis zur Eigentumsumschreibung und vor allem das Kostenrecht nach dem GNotKG sind Notariatswissen im engeren Sinn, das jede Quereinsteigerin neu lernt. Entscheidend für die Auswahl sind deshalb weniger die Vorkenntnisse als die Arbeitsweise: Genauigkeit, Diskretion, Freundlichkeit im Publikumsverkehr und die Bereitschaft, sich auf formstrenge Abläufe einzulassen.
Quereinsteiger einarbeiten: in Phasen statt ins kalte Wasser
Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Person, sondern die fehlende Struktur: Eine Quereinsteigerin, die vom ersten Tag an einfach mitlaufen soll, bleibt lange unsicher, und das Team bleibt dauerhaft belastet. Bewährt hat sich ein Phasenmodell mit fester Ansprechpartnerin, klaren Zielen je Phase und kurzen, regelmäßigen Feedbackgesprächen. Planen Sie realistisch: Je nach Vorerfahrung dauert es mehrere Monate bis über ein Jahr, bis eigenständige Sachbearbeitung erreicht ist; eine erfahrene ReFa ist meist deutlich schneller am Ziel als eine Immobilienkauffrau ohne Kanzleipraxis.
Aktenlauf und Fristen
Die ersten Wochen: Posteingang, Aktenführung, Telefon, Fristen- und Wiedervorlagensystem des Hauses. Ziel ist Sicherheit in den Abläufen, noch keine eigene Sachbearbeitung.
Urkundennahe Arbeit
Urkundenverzeichnis, Beglaubigungen, Grundbuch- und Registereinsichten, erste Entwurfsvorbereitungen, stets an der Seite einer erfahrenen Kollegin.
Vollzug unter Anleitung
Grundbuch- und Registervollzug, Fälligkeit und Treuhandauflagen, erste Schritte im Kostenrecht; spätestens jetzt gehört ein Grundlagenseminar in den Plan.
Eigene Vorgänge
Eigenständige Sachbearbeitung vom Entwurf bis zur Kostenrechnung, zunächst mit Vier-Augen-Kontrolle. Je nach Vorerfahrung nach mehreren Monaten erreicht, oft erst nach gut einem Jahr.
Seminare und Fortbildung für Quereinsteiger im Notariat
Kein Seminar ersetzt die Einarbeitung am Arbeitsplatz, aber gute Grundlagenkurse verdichten sie: Sie geben dem täglichen Tun das System und der Quereinsteigerin die Sicherheit, Zusammenhänge selbst einordnen zu können. Drei Anbieter haben wir uns im August 2026 angesehen:
- Ländernotarkasse: Im Fortbildungsprogramm stehen die fünftägigen Webinare „Fit fürs Notariat“ (Modul 1 und 2), durchgeführt vom Deutschen Notarverlag. Modul 1 richtet sich laut Anbieter ausdrücklich an Berufsanfänger, Quer- und Wiedereinsteiger und kostet 949 Euro zuzüglich Umsatzsteuer (Termin September 2026); Modul 2 folgt laut Fortbildungsprogramm der Ländernotarkasse (Stand August 2026) im Oktober.
- Auditorium Celle: Die Fortbildungseinrichtung der Notarkammer Celle führt fünftägige Online-Grundkurse für Mitarbeiterinnen im Notariat durch: die Einführung „Fit im Notariat Teil I“ (650 Euro) für Berufsanfängerinnen, Auszubildende und Wiedereinsteigerinnen, im aktuellen Programm gefolgt von „Grundkenntnisse im Notariat in 5 Tagen“ und einem fünftägigen Aufbaukurs. Als Systematik-Grundkurs auch für Quereinsteiger eine gute Wahl.
- Deutsches Anwaltsinstitut (DAI): Das Fachinstitut für Notare bietet eigene Mitarbeiter-Module an, darunter den Lehrgang „(Wieder-)Einstieg in die Praxis des Notariats“, online und in Präsenz.
Auch weitere Notarkammern und die Notarkassen veranstalten Mitarbeiterseminare; ein Blick in das Programm der eigenen Kammer lohnt immer. Zur Rollenverteilung: Übernimmt das Notariat Kosten und Arbeitszeit, ist das mehr als eine Investition in Wissen. Es ist das sichtbarste Signal, dass der Quereinstieg im Haus ernst gemeint ist.
Die Perspektive danach: ein anerkannter Abschluss
Seit dem 1. April 2026 gibt es die bundesweit einheitliche, zweistufige Fortbildung im Notariat, und sie ist für Quereinsteiger ausdrücklich offen: Zur Prüfung zum Geprüften Berufsspezialisten für das Notariat wird nach den Verordnungen auch zugelassen, wer keine einschlägige Ausbildung, aber fünf Jahre Notariatspraxis nachweist. Für Ihr Einstellungsgespräch heißt das: Sie können einer geeigneten Kandidatin einen planbaren Weg bis zum anerkannten Fortbildungsabschluss aufzeigen, ohne Umweg über die klassische Ausbildung.
Pflichten bei der Einstellung: die Verpflichtung nach § 26 BNotO
Rechtlich beginnt jedes Beschäftigungsverhältnis im Notariat mit demselben Schritt: Nach § 26 BNotO hat der Notar die von ihm beschäftigten Personen bei ihrer Einstellung nach § 1 des Verpflichtungsgesetzes förmlich zu verpflichten. Das gilt für Quereinsteiger genauso wie für ausgebildete Fachkräfte und gehört an den ersten Arbeitstag. Wie die Verpflichtung abläuft und wo es offizielle Muster gibt, haben wir im Beitrag zur Verpflichtung nach § 26 BNotO zusammengestellt. Denken Sie die Verschwiegenheit auch praktisch mit: Klare Regeln, welche Akten und Systeme in der Einarbeitungszeit zugänglich sind, gehören in die erste Woche.
Vergütung: fair einordnen statt günstig einkaufen
Da es im Notariat keinen Tarifvertrag gibt, sind die unverbindlichen Vergütungsempfehlungen der Notarkammern und der regionale Markt der Maßstab. Für Quereinsteiger heißt das: Ein Einstieg unterhalb des Niveaus ausgebildeter Berufseinsteigerinnen kann in der Einarbeitungszeit vertretbar sein, aber nur mit einer klaren, terminierten Entwicklungszusage, die das Gehalt an die erreichten Einarbeitungsphasen koppelt. Eine dauerhaft unter Markt liegende Vergütung macht die Einarbeitung zur Investition für den Wettbewerb, denn gerade Quereinsteiger, die Sicherheit gewonnen haben, beginnen zu vergleichen. Wie sich die Gehälter der einzelnen Rollen im Büro einordnen, zeigt der Überblick zum Gehalt der Mitarbeiter im Notariat.
Die Stellenanzeige quereinsteigertauglich formulieren
Prüfen Sie Ihre Anzeige auf die Zeile „abgeschlossene Ausbildung zwingend erforderlich“: Sie beendet die Suche für alle vier Herkunftsfelder. Öffnen Sie die Anforderungen, ohne sie zu senken: eine abgeschlossene Ausbildung im Rechts-, Bank- oder Immobilienbereich oder vergleichbare Berufserfahrung, dazu die Eigenschaften, auf die es wirklich ankommt. Und sagen Sie die Einarbeitung ausdrücklich zu, mit fester Ansprechpartnerin, Phasenplan und finanziertem Seminar: Genau diese Zusage unterscheidet Ihre Anzeige von den übrigen. Für Bewerberinnen: Unser Leitfaden zum Quereinstieg ins Notariat beantwortet die Fragen der Kandidatinnen, von den Einstiegswegen bis zum Gehalt; er eignet sich auch als Link in Ihrer Anzeige.
Wenn Sie Ihre quereinsteigertaugliche Anzeige dort platzieren möchten, wo sich Fachkräfte und Wechselwillige ohnehin über das Arbeiten im Notariat informieren, finden Sie die Möglichkeiten auf unserer Seite für Arbeitgeber. Und für das Gehaltsangebot, das zu einer glaubwürdigen Anzeige gehört, liefert der Notar-Gehaltsreport 2026 die Benchmarks nach Bundesland und Erfahrung.
Quereinstieg gelingt dort, wo die Einarbeitung geplant ist: das passende Profil, ein Plan in Phasen, ein Seminar zur richtigen Zeit und eine faire, ehrlich kommunizierte Vergütung. Notariate, die so planen, besetzen Stellen, an denen andere scheitern, und gewinnen Mitarbeiterinnen, die bleiben.
Quellen
- LNKFortbildungsprogramm: „Fit fürs Notariat“ Modul 1 und 2 (fünftägige Webinare)Ländernotarkasse, durchgeführt vom Deutschen Notarverlag · Stand August 2026
- AudCMitarbeiterseminare: Fit im Notariat Teil I, Grundkenntnisse im Notariat in 5 TagenAuditorium Celle (Notarkammer Celle) · Stand August 2026
- DAIFachinstitut für Notare: Mitarbeiterlehrgang (Wieder-)Einstieg in die Praxis des NotariatsDeutsches Anwaltsinstitut · Stand August 2026
- BNotO§ 26 BNotO: Förmliche Verpflichtung beschäftigter PersonenBundesnotarordnung
- BGBlFortbildungsprüfungsverordnungen BSNotFPrV und BAProNotFPrV, BGBl. 2025 I Nr. 205 und 206Bundesgesetzblatt · Stand 2025
Häufige Fragen
Die größten Schnittmengen bringen Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte aus Kanzleien, Justizfachangestellte sowie Bank-, Versicherungs- und Immobilienkaufleute mit: Sie kennen Fristen, Register, Grundstücksgeschäfte oder den sorgfältigen Umgang mit fremdem Geld. Wichtiger als das Vorwissen sind Genauigkeit, Diskretion und die Bereitschaft, sich auf formstrenge Abläufe einzulassen; Beurkundungs- und Kostenrecht lernt jede Quereinsteigerin neu.
Je nach Vorerfahrung mehrere Monate bis über ein Jahr. Bewährt hat sich ein Phasenmodell: zuerst Aktenlauf und Fristen, dann urkundennahe Arbeit wie Urkundenverzeichnis und Beglaubigungen, anschließend Vollzug unter Anleitung und zuletzt eigenständige Vorgänge. Eine erfahrene Rechtsanwaltsfachangestellte erreicht die letzte Phase deutlich schneller als eine Kandidatin ohne Kanzleipraxis.
Im Fortbildungsprogramm der Ländernotarkasse stehen die fünftägigen Webinare „Fit fürs Notariat“ (Modul 1 und 2, durchgeführt vom Deutschen Notarverlag; Modul 1: 949 Euro zuzüglich Umsatzsteuer). Das Auditorium Celle der Notarkammer Celle bietet fünftägige Online-Grundkurse an, das Deutsche Anwaltsinstitut den Mitarbeiterlehrgang „(Wieder-)Einstieg in die Praxis des Notariats“. Auch andere Kammern und die Notarkassen veranstalten Mitarbeiterseminare (Stand August 2026).
Rechtlich vor allem die förmliche Verpflichtung nach § 26 BNotO in Verbindung mit § 1 des Verpflichtungsgesetzes, sie gehört an den ersten Arbeitstag. Praktisch entscheidend sind ein Einarbeitungsplan in Phasen mit fester Ansprechpartnerin, ein früh eingeplantes Grundlagenseminar und eine faire Vergütung mit klarer Entwicklungszusage für die Zeit nach der Einarbeitung.
Ja. Seit dem 1. April 2026 führt die bundesweit einheitliche Fortbildung zum Geprüften Berufsspezialisten für das Notariat und darauf aufbauend zum Bachelor Professional im Notariat. Zur Prüfung der ersten Stufe wird auch zugelassen, wer keine einschlägige Ausbildung, aber fünf Jahre Notariatspraxis nachweist. Eine Quereinsteigerin hat damit eine planbare Perspektive bis zum anerkannten Abschluss.